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Heiß aufs Kapital

Mist! Sag mir doch mal einer, wie man so 'nen Automaten besteigt. So ein Mistding. So 'n scheiß Kartenschlucker. Der soll sich jetzt bitteschön mal besteigen lassen. Ich investier doch schließlich was in den. Ich steck da doch schließlich was rein. Da versuche ich, mit so 'nem Scheißding eine Beziehung aufzubauen. Und das Ding will sie gar nicht, meine Beziehung. Das will gar nicht sozial eingebunden werden. Das da will gar nicht emotional angesprochen werden. Das reagiert gar nicht auf die Signale, die ich hier permanent aussende. Das versteht den Code einfach nicht. Da kann ich noch so viele Zahlen in die Tastatur eingeben, bei dem funktioniert das einfach nicht. Das produziert überhaupt keine positiven Gefühle bei dem. Dabei fühle ich mich total sexualisiert. Ich stecke in diesem total sexualisierten Körper und komm an diese Maschine einfach nicht ran. Da wird immer geredet von der Vereinigung von Mensch und Maschine und dann das. Das geht mit dem gar nicht. Ich wüsste gar nicht, wo ich da anfangen sollte mit dem Umarmen. Trotzdem bin ich irgendwie total sexualisiert von dem. Ich meine, so 'n Bankautomat, der hat auf mich doch die gleiche Wirkung wie George Clooney. Bei dem weiß ich ja auch nicht, ob es seine Augen sind oder sein schauspielerisches Talent oder die Kreditkarten in seiner Smoking-Tasche. Oder das ganze kulturelle Kapital, das der mit sich rumschleppt. Ich meine, der ist ja praktisch Hollywood. Der repräsentiert ja nicht nur Michael Clayton oder Danny Ocean, der repräsentiert ja auch noch das ganze Geld und die Villen, die da so rumstehn. Und ich weiß jetzt gar nicht, ob ich lieber mit George Clooney oder mit Danny Ocean auf der Yacht sitzen würde. Jedenfalls vor so 'nem Automat stehen, das ist wie George Clooney in der Fußgängerzone. Ich komm einfach nicht an den dran. Ich weiß gar nicht, wohin mit meinem sexualisierten Körper. So 'n Ding hat ja keine Biologie. Das ist total anorganisch. Da kann man mit Psychologie überhaupt gar nichts neutralisieren. Der steht da einfach so. Ist ja irgendwie auch beruhigend. Dass der immer da ist, der Automat. Der ist immer da, und da ist immer Geld drin. Das find ich ja so attraktiv an dem. Ich meine, das ist doch total sexy, dass da einer ist, und der ist immer da und hat immer Geld für mich. Der spuckt die Scheine einfach aus, wenn ich die Karte reinstecke. Karte rein, Geld raus, ganz einfach. Das ist 'ne total binäre Beziehung. Mit dem ist alles ganz unkompliziert. Der kommt dir nicht dauernd mit dieser ganzen zwischenmenschlichen Scheiße. Der rennt auch nicht weg, der steht da einfach. Der will gar nicht, dass du den Abwasch machst oder mit ihm ins Bett gehst oder so. Obwohl mein sexualisierter Körper, der vielleicht gar nicht Ich ist, das ja eigentlich gern würde. Aber der Automat verlangt das gar nicht. Der liebt dich einfach. Steht da und liebt dich. Geben und Nehmen, das ist nämlich ganz klar geregelt in so einer Beziehung, in so einer Tauschbeziehung mit einem Automaten. Karte rein, Geld raus. Ich meine, was will man mehr. Das ist total binär, das alles. Nur besteigen lässt er sich nicht. Dabei will ich doch wohin. Ich will jetzt endlich mal über den rübersteigen. Mist-Automat. Verdammt!
Anne Peter, 1:36 Uhr
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ICH HOFFE ES SPRICHT SICH RUM UND ICH WERDE NICHT IMMER WIEDER ALS FRAU ANGESPROCHEN, SONDERN ALS PROFI. (René Pollesch: "Liebe ist kälter als das Kapital")
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also, ich hoffe ja, dass hier mal wieder was passiert. oder passiert in mühlheim etwa nix?
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Du musst einfach mal die verfickte ASYMMETRIE ertragen. Nur weil dieser Bankautomat sich immer schon als der Gebende inszeniert, musst Du doch deswegen nicht über ihn drübersteigen. Oder glaubst Du, dass Du keinen Preis hast, nur weil Du kein Preisschild findest? So billig ist eine unbezahlbare Geste nicht zu haben, so einfach steigt man nicht aus der kapitalistischen Logik aus. Und schon gar nicht drüber. Wir müssen aus dieser ewigen Kette von Leistung und Gegenleistung ein für alle Mal ausbrechen. Ist doch eh kein Wert mehr dahinter, kein Ding, auf dass sich das irgendwie beziehen würde. Ist doch gar nicht gesagt, dass wenn ich mit meinem Pfandbon zu Deinem Bankautomaten gehe, ich dafür wieder eine Flasche rauskriege. Oder dass die Außenhandelsbilanz unserer Körper irgendwie auszugleichen wäre. Dass René Pollesch Jan gefickt hat, ist deswegen auch noch lange kein Grund, Deinen sexualisierten Körper diesem Automaten als Gegenwert für seine Scheine anzubieten. DIE GESELLSCHAFT IST NUN MAL ASYMMETRISCH. DA LÄSST SICH NICHTS MACHEN. Und wenn Bankautomaten irgendeine Sprache verstehen, ist es sowieso nur die der GROSSBUCHSTABEN. Die solltest Du mal eingeben, in seine verfickte Tastatur, dann passiert vielleicht mal was. Und dann solltest Du Deine Geheimnummer als Sammel-SMS an Deine Peergroup schicken, damit die wenigstens auf diesem Wege an Deinen SCHEIN rankommen. Das wäre doch eine Geste, dafür sollen die erstmal einen Algorithmus finden. Und für die Sehnsucht nach dem Echten zünden wir dann halt eine Kerze an, dieses ständige Minus auf unserem Metaphysikkonto muss sowieso mal getilgt werden. Das UnSCHEINbare gibt es ja genau so wenig wie einen Bankautomaten, der einen ähnlich rührenden Hundeblick hätte wie George Clooney. Natürlich wäre ich gerne George Clooney, klar, aber so viele Flaschen kriege ich nie zusammen, dass ich mir das leisten könnte. Und wenn ich es könnte: Wer sagt mir, dass das dann überhaupt noch irgendeinen Wert hätte? Die Clooneyfizierung ist doch als symbolische Inflation mindestens so bedrohlich wie der Preisanstieg in Simbabwe. Und warum tut da keiner was gegen? Trichet, MANN, MACH WAS.
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Mensch Anne, Laura und ich sitzen gerade vor deinem nächtlichen Stück und machen uns ein wenig Sorgen. Wir glauben, du kriegst zu wenig Schlaf. Tu deinem "übers...." Körper doch mal was Gutes und tu das, was wir jetzt auch tun: ins Bettchen gehen. Lass dich nicht mehr von Maschinen anmachen. Die sind doch alle gleich: kalt und untreu (sie machens mit jedem). Wir waren am Donnerstag in Ruby Town (in Berlin). Dort geht es etwas herzlicher zu. Grüß den Jan ganz lieb von uns! Gute Nacht! Laura und Torsten