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Klatsch!

WANN KANN ICH ENDLICH MIT EINEM JOURNALISTEN REDEN OHNE DASS MEINE WORTE AM NÄCHSTEN TAG IM INTERNET STEHEN?

René Pollesch hat mich gefickt. Bitte beruhigen Sie sich und lesen Sie einfach weiter. Nach der Vorstellung von "Liebe ist kälter als das Kapital" stehen wir im Stadthallenfoyer, lockerer Kreis, fünf, sechs Leute. Plötzlich steht Pollesch da, und schnell sind wir mitten in einem lebhaften Gespräch über die Frage, warum da eben auf der Bühne eigentlich echte Ohrfeigen verteilt wurden. Polleschs Text zitiert immer wieder John Cassavetes’ Film "Opening Night", in dem eine Schauspielerin sich weigert, ihr Gesicht für eine Ohrfeigenszene hinzuhalten. Schließlich ist es ihre eigene Wange, die schmerzt, wenn ihre "Figur" geschlagen wird. Die Frage ist nun: Wenn man in Polleschs System denkt – warum muss dann das, wovon auf der Bühne die Rede ist, auch noch illustriert werden? Warum müssen Polleschs Akteure, wenn sie über Schauspieler nachdenken, die sich gegenseitig Backpfeifen verpassen, dann auch tatsächlich drauflos watschen? Ist das nicht Repräsentation pur? Pollesch sagt, seine Spieler hätten sich nun mal entschieden, das so zu machen, er sei ja kein Regiediktator, der so was prinzipiell verbiete. Außerdem sollte man auf die Unterschiede achten: Die in der Inszenierung von "Liebe ist kälter..." pausenlos hin- und herfliegenden Klatscher sind ja nicht, wie im Film, Gewaltakte, die patriarchalische und sexistische Strukturen zementieren. Hier klatscht jeder jeden. Freiwillig. Reflektiert. Und mit der Möglichkeit, jederzeit auszusteigen. Weh tut's übrigens auch nicht, haben zumindest die Schauspieler bei der Publikumsdiskussion gesagt. In einem anderen Stück, erinnert sich Pollesch gutgelaunt und springt illustrationsfreudig hinter mich, habe er ähnlich sinnentleerte, entlarvende Szenen inszeniert. Die Schauspieler hätten Sex simuliert, durch bescheuertes Ruckeln, quasi Anti-Sex, nämlich so. Und so. Und so kam ich zu einem ziemlich spektakulären ersten Satz. Können Sie ruhig zugeben.

Jan Oberländer, 22:57 Uhr

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